Die re:publica. Bisher.

Die re:publica 2018 ist vorbei und ich überlege, welche Spuren sie in mir hinterlassen hat. Da ist zunächst einmal dieser penetrante Ohrwurm, der mich seit Freitag Abend nicht verlassen will: „Mamaaa … Uhuhuhuuuuuuu …“ Ich hoffe, der wird bald abgelöst. Noch schöner wäre natürlich ein Leben ganz ohne Ohrwurm. Nun, diese Hoffnung habe ich vor ein paar Jahren begraben. Aber ich schweife ab.

Konkret

Für mich ist die re:publica in diesem Jahr geprägt durch die Frage: „Und was machen wir jetzt?“ – hier bitte die Betonung auf das Wort „machen“ legen. Die #rp18 war sehr konkret. Wer die Frage nach den nächsten Schritten nicht gleich in den Session-Titel aufgenommen hatte, beantwortete sie im Laufe des Vortrags. Und wer das nicht tat, wurde spätestens in der Fragerunde aus dem Plenum mit ihr konfrontiert: „Danke für deine Session! Was ist denn dein Fazit daraus – was können wir jetzt machen?“

Was machen wir gegen die rechte Hetze im Netz? Wie schließen wir das Gender Pay Gap? Wie beenden wir Diskriminierung, Herabsetzung und Diffamierung? Wie erobern wir unser Internet zurück? Was machen wir mit unerwünschten Gästen auf dem Gelände? Und so weiter. Die Antworten waren oft konstruktiv, häufig noch verneinend („Wir dürfen nicht länger …“ oder „Wir sollten jetzt nicht …“) und meist von Kopfnicken begleitet. Der Debatte Taten folgen lassen. Das hat viele angesprochen. Die re:publica 2018 war die (meine) konkreteste re:publica. Bisher.

Poppig

POP lautete das Motto in diesem Jahr. Die drei Buchstaben sind Ausdruck, Abkürzung, Akronym und Appell in einem. Der Ausdruck Pop im Sinne von Massenkultur. Pop als Abkürzung für Populismus und andere Pop-Begriffe. Pop als Akronym, das sich auflösen lässt in „Power of People“ – aber eben auch in „People of Power“. Und schließlich der Appell, Blasen zum Platzen zu bringen: „Let’s pop filter bubbles!“ Letzteres dann plakativ umgesetzt durch Horden von Seifenblasen, die regelmäßig die Hauptbühne und das Außengelände stürmten und beim Platzen weiße, wie Schuppen aussehende Rückstände in Haaren, auf Kleidung und im Gesicht hinterließen.

Mit etwa 10.000 Besuchern in diesem Jahr ist die Konferenz für digitale Kultur, die – wie mein Kollege Mirko in seinem Blog-Beitrag schon erwähnt hat – vor 12 Jahren als Nischenkonferenz gestartet ist, definitiv zum massentauglichen Event geworden. Das erklärt vielleicht, warum in diesem Jahr mehr „Stars“ als sonst ihren Weg auf die Bühnen fanden. Für die bekannten Kollegen wie zum Beispiel Ranga Yogeshwar oder Jan Böhmermann musste es dann natürlich auch Stage 1 sein. Und Stage 1 war ob der Popularität der Redner dann dementsprechend extrem gut bis krass gut besucht. Der Matthäus-Effekt: Ein Klassiker. Die re:publica 2018 war somit die (meine) poppigste re:publica. Bisher.

Politisch

Und dann war noch Sascha Lobo. Auch über ihn hat Mirko schon geschrieben. Aber ich muss auch. Sascha Lobo po(pu)larisiert. Schon immer. Und das macht er verdammt gut. Sein Stammplatz auf der re:ublica seit Jahren: der erste Abend der Konferenz, 19:45 Uhr, Stage 1. Mein Stammplatz bei Lobo seit Jahren: Der Fußboden, ganz vorne links, direkt an der Bühne. „Pop und Anti-Pop – Wie das Internet uns lehrte zu kämpfen. Und wofür.“ Seine Kampfrede. Sie wurde schon im Vorfeld als seine politischste Rede bisher angekündigt. Das implizierte quasi Extreme und Superlative.

Stattdessen räumte er dann auf mit Extremen, indem er erklärte: „Das Gegenteil von rechtsextrem ist nicht linksextrem. Das Gegenteil von Rechtsextrem ist NICHT rechtsextrem.“ Und: „Es darf nicht als linksextrem angesehen werden, gegen Rechte zu sein. Das ist nicht linksextrem, sondern demokratisch.“ Die re:publica 2018 war nicht nur, aber auch wegen Lobos Kampfrede – ihr ahnt es – die (meine) politischste re:publica. Bisher.

Bereichernd

Fazit: die re:publica bleibt Ansichtssache. Wie so üblich bei BarCamps stellt sich jede Teilnehmerin und stellt sich jeder Teilnehmer mit der Auswahl der Sessions eine eigene Konferenz zusammen. Und wer in langweiligen Sessions sitzen bleibt, um nicht unhöflich zu sein, ist selbst Schuld, wenn das Fazit dann am Ende lautet: „Die re:publica 2018 war die (meine) langweiligste re:publica. Bisher.“

Wie in den vergangenen Jahren fühle ich mich nach den drei Tagen in Berlin bereichert durch den Austausch. Man könnte nun einwerfen, dass es kaum bereichernd sein kann, sich mit Menschen auszutauschen, die ohnehin der gleichen Meinung sind wie man selbst. Das Leben in der Filterbubble ist ein einseitiges. Aber wenn mich die re:publica 2018 eines gelehrt hat, dann das: Es gibt überhaupt keine Filterbubbles! (Danke, Bernhard Pörksen.)

Ich überrasche sicherlich niemanden, wenn ich jetzt sage: Das war nicht meine letzte re:publica. Bisher. Wir sehen uns nächstes Jahr!

 

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