Einführungsstrategie für ein Social Intranet: Fokussierter Big Bang

Nachdem mein Kollege Jürgen Mirbach in seinem Beitrag "Big Bang als Einführungsstrategie für ein Social Intranet"  auf die Live-Schaltung eines neuen Intranets mit der kompletten Vielfalt neuer, sozialer Funktionen eingegangen ist, möchte ich eine weiteren möglichen Ansatz vorstellen und diskutieren:

Fokussierter Big Bang oder Think Big – Start Small?

Der Intranet-Relaunch steht an, das  Unternehmen hat bereits eine strategische Entscheidung zur Einführung von Social Collaboration – und somit für ein Social Intranet – getroffen. Auch wenn verstanden wurde, dass ein kultureller Wandel zum Mitmach-Web im Unternehmen eingeleitet werden soll, so kann ein fokussiertes Vorgehen mit einer iterativen Einführung der gesamten sozialen Plattform eine sehr erfolgreiche Einführungsstrategie sein. 

Was bedeutet das?

Mit dieser iterativen Einführungsstrategie wird zunächst der Fokus darauf gelegt, das bisherige klassische Intranet einer strukturellen Neukonzeption zu unterziehen und auf eine zukunftsfähige technische Plattform zu heben sowie ggf. erste soziale Funktionen wie zum Beispiel Kommentare oder Bewertungen zu ermöglichen. Der Intranet-Nutzer bleibt vorwiegend Konsument im neu geordneten Intranet. Die gewohnte Push-Kommunikation (Top-Down) ins Unternehmen wird abgebildet, jedoch inklusive der neuen technischen Funktionen (Enterprise-Search, RSS, Benachrichtigungsfunktionen, mobile Ansichten etc.). Somit bietet es echte Mehrwerte für den Nutzer. In der nächsten Ausbaustufe (oder iterativ) wird die Einführung von echten Zusammenarbeits- und Dashboard-Funktionen sowohl hinsichtlich der technischen Umsetzung der fachlichen Anforderungen als auch bezüglich möglicher organisatorischer Änderungen sowie der Kommunikation geplant. Es erfolgt nun die Bereitstellung der Funktionen, die den Nutzern im Unternehmen ermöglichen, selbst aktiv zum Produzent von Inhalten zu werden, Netzwerke und Communities aufzubauen und mitzugestalten und somit ein interessantes und aussagekräftiges soziales Mitarbeiterprofil aufzubauen.

Welche Vorteile ergeben sich daraus?

Einige Stärken dieses Vorgehens sind schnell benannt: Ein neues Push-Intranet erschließt sich dem Nutzer leicht. Diese schnelle Akzeptanz der neuen technischen Plattform senkt wiederum die Eintrittsbarriere, neue Funktionen anzunehmen.  Nachdem die Migration und Ablösung des alten Intranets erfolgt ist, sind auch die internen Ressourcen zur Planung und Steuerung der Umsetzung der Social-Collaboration-Funktionen frei. Budgets hierfür werden erst zu diesem späteren Zeitpunkt benötigt. Die Chancen für weitere iterative Erweiterungen nach diesem Vorgehen liegen auf der Hand.  

Worin sind hierbei die Nachteile zu sehen?

Mitarbeiter, die auf die einfachen Möglichkeiten zur internen Vernetzung und Zusammenarbeit schon lange warten, werden in der 1. Phase dieses Rollouts eher verprellt als abgeholt. Auch für andere ist das volle Programm der strategisch geplanten Plattform noch nicht erkennbar, vermeintlich zu wenig Neues wird geboten. Der mehrphasige Rollout kann mehr Budget für Konzepte, Releases, Tests und Trainings bedeuten. Die längere Laufzeit birgt auch Risiken eines vorzeitigen Abbruchs der Social-Collaboration-Einführung, da der Erfolg zu lange verborgen bleibt. Neue Insellösungen entstehen parallel durch den Druck aus den Fachbereichen. Diese nicht unwesentlichen Punkte sollten jedoch nicht davon abschrecken, das genannte Einführungsvorgehen nach Prüfung für die Anwendbarkeit im eigenen Unternehmen in Betracht zu ziehen.

Für welche Unternehmen eignet sich der fokussierte Big Bang?

Dieses Vorgehen empfiehlt sich für mittelständische bis größere Unternehmen ohne Erfahrung mit den sogenannten Enterprise 2.0-Technologien als auch für sehr große Unternehmen mit großem zu erwartenden Migrationsaufwand aus den bestehenden Intranets. Für Unternehmen, die eine schnelle Lösung brauchen haben wir als T-Systems MMS unsere Intranet StarterPakete für unterschiedliche Technologien geschnürt, die Beratung und Technologie bündeln, um einen ersten Einstieg in ein Social Intranet sehr schnell zu finden.

Zur Zeit begleiten wir mehrere Kunden mit dieser Einführungsstrategie in unterschiedlichen Ausbaustufen – bisher mit sehr positivem Feedback.

Fazit

Wem der Big Bang eine Nummer zu groß erscheint, der hat mit dem fokussierten Big Bang eine gut begründbare Alternative, die von Anfang an dafür sensibilisiert, dass sich ein Social Intranet stets weiterentwickeln wird und die kontinuierliche Veränderung etabliert werden sollte. Ebenso wie die Nutzer werden auch die Intranet-Verantwortlichen im Unternehmen an die neue Technologie und den vorzubereitenden Wandel im Umgang mit der Kommunikation herangeführt.

Welche Erfahrungen haben Sie gesammelt?

Haben Sie Ihre (geplante) Einführungsstrategie in diesem oder dem vorhergehenden Artikel bereits wiedererkannt? Wir freuen uns auf Ihre Erfahrungen und Diskussionen zur Einführungsstrategie und empfehlen auch die Lektüre der kommenden Artikel dieser Serie: "viraler Rollout" und "Rollout mit Pilotierung".