„An der nächsten Kreuzung rechts abbiegen“ – Ist Navigation im Social Intranet möglich?

Die Nutzung eines Navigationssystems im Auto verspricht die schnelle Zielerreichung ohne Umwege. Meistens klappt das heute auch sehr gut, denn das Ziel der Reise kann eindeutig angegeben werden und der Weg führt über Straßen, die vor langer Zeit erbaut wurden. Außerdem kommt von Jahr zu Jahr eine überschaubare Anzahl von Straßen hinzu. Von den traditionellen Intranets hatten nur die besten eine wirklich gut funktionierende Navigation. Social Intranets bringen Interaktion und Dynamik in die Intranets. Jeden Tag neue Straßen und neue Navigationsziele. Wird die Navigation im Intranet dadurch unmöglich?

Die Navigation soll den Nutzern auch im Social Intranet die Fragen „Wo bin ich?“ und „Wo kann ich hin?“ schnell und zuverlässig beantworten. Im Zeitalter der traditionellen Intranets hatte sich die an Organisationsstrukturen gebundene Navigation gerade zu einer Themenorientierung emanzipiert. Um Informationen zu finden, mussten die Nutzer nicht mehr wissen, welche Abteilung welche Aufgaben ausführt. Auf einmal half die logische Zu- und Unterordnung der gesuchten Information zu einem thematischen Angebot. Was für eine Erleichterung für die Nutzer! Dank Techniken, wie z. B. Card Sorting, stimmt das thematische Navigationsangebot weitgehend mit der „Nutzerdenke“ überein.

Social Intranets bieten Vernetzung, Microblogs/Acitivity Streams und Zusammenarbeitsräume und viele Funktion mehr an. Was bedeutet das für die Navigation?

„Game over for traditional intranet navigation“ Kirsten Keck, adidas Group.

Game over – gerne dann, wenn die traditionelle Intranet-Navigation ihre Funktion nicht erfüllt. Doch der Use-Case „Information One-to-many“ bleibt auch in Social Intranets erhalten. Eine gut strukturierte Nutzerführung hilft auch hier den Nutzern und lässt das Intranet nicht zum Informationsdschungel werden.

Wie kann der Zugang zu den zusätzlichen Funktionen erfolgen? Personalisierung in Kombination mit Innovation macht es möglich. Nutzer stellten (früher) in Usability-Studien zu traditionellen Intranets den Bezug des Startseiteninhalts zur eigenen Arbeitswirklichkeit in Frage. Heute wird in Social Intranets der Platz für die Corporate News immer kleiner: Widgets, die Links auf Zusammenarbeitsräume beinhalten, zu denen der Benutzer Zugang hat, Inhaltsempfehlungen, Activity-Streams u. Ä. erorbern die Startseite der Social Intranets und schaffen Zugang zu arbeitsrelevanten Inhalten und Anwendungen. Die Startseite wandelt sich vom Schaufenster zum Dashboard. Ein enormer Vorteil für die Nutzer! Denn personalisierte Inhalte ermöglichen Navigation. Wichtig: Die Personalisierung erfolgt hier oftmals per Default, d. h. ohne dass die Nutzer selbst alles einrichten müssen – allenfalls die Aktivierung eines Widgets ist erforderlich. Die Innovationsmöglichkeiten sind hier sicherlich noch nicht ausgeschöpft. Die dynamische Anpassung des Fahrweges der Navigation im Auto an die Verkehrslage hat auch noch nicht die Innovationskraft der Hersteller erschöpft.

Damit im Social Intranet die Vorteile dezentraler und dynamischer Inhaltserstellung für alle Benutzer genutzt werden können, sind Standards oder Best Practices von großem Wert. Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit dem Auto an eine Kreuzung und müssen erst einmal suchen, wo die Ampel steht. Undenkbar! Die Krankheit wildgewachsener Inhalte, die traditionelle Intranets gern befallen hatte und mit Frühjahrsputz-Aktionen selten wirklich in den Griff zu kriegen war, kann auch Social Intranets betreffen. Hier sind die Intranet Manager als Enabler und Moderatoren gefragt! Vorgaben und Regeln wären kontraproduktiv – die Vermittlung von Erfolgsrezepten für Inhalte kommen da eher an.

Die Dynamik und Interaktion stellt in Social Intranets neue Herausforderungen an die Navigation. Eine funktionierende Navigation ist auch im Social Intranet nicht per se gegeben. Durch Personalisierung, Filtertechniken und Empfehlungs-Engines, die für Nutzer relevante Inhalte herauszufiltern vermögen, bleibt Navigation möglich – auch wenn eventuell der ein oder andere Umweg die Ortskenntnis erweitert. Investieren Sie in die Navigation – Ihre Nutzer werden es Ihnen danken. Und prüfen Sie nach einiger Zeit auch, ob die Navigation noch funktioniert – nicht nur Wegsteine im Wald sind „Verwitterung“ ausgesetzt. 

 

Bildnachweis: Titelbild © Sylwia Bartyzel/unsplash.com

 

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